Wie weiter?

  • Hallo zusammen,


    ich würde gerne mehrere Meinungen einholen, bezüglich meiner aktuellen Lage und möglicher Zukunftsperspektiven.


    Ich bin 23 Jahre alt und habe bisher folgendes gemacht:


    - Mittlere Reife (2008)


    - Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei einer Drogeriemarktkette (2008 - 2011)


    - Tätigkeit als Facharbeiter in o.g. Unternehmen (2011 - 2013)


    - Weiterbildung zum Logistikmeister (Abschluss: 2013)


    - Befristet angestellter Ausbilder und Projektmitarbeiter (2014)


    In meinem letzten Job bin ich nach der Befristung nicht weiter
    beschäftigt worden, da das Projekt erstmal auf Eis gelegt wurde, es ging
    dabei um die Einführung eines neuen LV-Systems bei einem Großhändler.


    Aktuell bin ich auf der Jobsuche und laufe gegen Wände, zum einen sind
    kaum Stellen (Meisterstellen) ausgeschrieben, zum anderen scheitert es
    an meinem jungen Alter und der wenigen Berufserfahrung.


    Ich habe nun ein Angebot vorliegen, welches ich auf Grund von
    finanziellen Verpflichtungen annehmen muss, ob ich dabei glücklich
    werde, wage ich zu bezweifeln. Es handelt sich dabei um eine einfache
    Sachbearbeiterstelle in der ausgegliederten Logistik eines
    Industriekonzerns.


    Die Frage ist nun, wie ich mich am besten auf die Zukunft vorbereite und meinen gesteckten Zielen näher komme.


    Mittelfristig würde ich gerne als Führungskraft im operativen Bereich arbeiten, bevorzugt in der Logistik oder im Einzelhandel.


    Positionen wie beispielsweise Bereichsleiter im LEH oder
    Abteilungsleiter in der Logistik, z.b. bei Amazon würden mich ungemein
    reizen.


    Diese Positionen setzten meist ein abgeschlossenes Studium voraus, oder langjährige Berufserfahrung.


    Ich habe auch schon versucht mich bei mehreren Unternehmen (darunter
    ALDI, Lidl & Co.) um einen dualen Studienplatz zu bewerben,
    leider ohne Erfolg.


    Bin ich bereits zu beruflich gefestigt, um dort eine Chance zu erhalten oder seht Ihr meine Vorbildung als negativ?


    Ein normales Studium kommt leider momentan aus finanziellen Gründen (Rückzahlung Meisterbafög, eigene Wohnung) nicht in Frage.


    Brint es etwas, wenn ich nebenberuflich bspw. den Technischen Betriebswirt IHK nachlege?


    Ich würde mich über eure Anregungen sehr freuen!

  • Hallo LOG-IM,
     
    Du kannst mit Deinen 23 Jahre auf eine qualifizierte Ausbildung verweisen, aber der Stellenmarkt scheint für junge Menschen mit geringer Berufserfahrung, die sich auf leitende Positionen bewerben, schwierig zu sein.
     
    Leider hast Du keinen Betrieb gefunden, der ein Duales Studium finanzieren würde. Da stellt sich die Frage nach den Gründen. Vielleicht bevorzugen Betrieb bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen Personen mit einer „klassischen“ FH-Reife, die Dir fehlt. Auch wenn Du formal über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügst, kann das eine Hemmschwelle sein. Vielleicht versuchst Du über die Fachoberschule (NW) nebenberuflich diesen Abschluss zu erreichen. Dann sollte es einfacher sein, einen Ausbildungspartner zu finden. Ebenso würde Dir dieser Abschluss vermutlich den Einstieg in ein Studium erleichtern, da Deine Mathematik- und Physikkenntnisse deutlich erweitert wären.
     
    Aufgrund Deiner bisherigen beruflichen Karriere sollte Dir ein Studium, wenn es denn Deinen Neigungen entspricht, nicht schwerfallen. Auch wenn Du das zunächst einmal für Dich ausgeschlossen hast (wg. den Randbedingungen wie eigene Wohnung……) wäre es zumindest eine weitere Überlegung wert.
     
    Gruß Kai


  • Leider hast Du keinen Betrieb gefunden, der ein Duales Studium finanzieren würde. Da stellt sich die Frage nach den Gründen


    Das Duale Studium wird zwar als praxisnahe und theoretisch frisierte Alternative zwischen klassischem Studium und althergebrachter Ausbildung vermarktet, in der Realität ist es aber eher ein elitärer Königsweg.
    Wenn man sich den (möglichen) zeitlichen Rahmen und die zu vermittelnden Inhalte anschaut braucht man auch keine Abschluss-Statistiken mehr suchen um zu verstehen, daß hier wirklich über Jahre hinweg ununterbrochen 120+% Leistung abverlangt werden.
    Natürliche suche ich mir als Arbeitgeber dafür auch nur überdurchschnittliche Absolventen.
    Denn...
    ... die Ausbildungskosten sind für mich als Ausbildungsbetrieb um ein Vielfaches höher als bei einer regulären betrieblichen Ausbildung,
    ... die nötige Betreuung des Azubis / Studenten ist um einiges intensiver und
    ... das Risiko, daß er / sie dieses Duale Studium eben doch nicht erfolgreich abschließt respektive einfach "hinschmeißt" ist ebenfalls viel höher als bei den klassischen Lehrberufen.


    Und ich finde, mit allen diesen Aussagen hat der Arbeitgeber eigentlich Recht. In meinen Augen gibt es in D momentan keine bessere, höherqualitativere Ausbildung, die einem mehr Türen und Wege eröffnet als ein Duales Studium.


    Mein Tipp: Schaut euch eure Mitbewerber (oder die Absolventen) einmal an. Was habe diese für Vorbildung, auf welchem Noten-Niveau bewegen sie sich?


    Gruß
    Sebastian

  • ... warum wundert es mich nicht, dass ein Meister mit 23 Jahren keine Chance hat eine Meisterstelle zu finden... habe ich ja schon mehrfach geschrieben.
    Es macht in meinen Augen keinen Sinn den IM zu machen wenn man noch unter 30 Jahren ist. Ich verstehe deshalb die jungen Leute nicht warum immer wieder dieser Weg beschritten wird. Erst recht wenn sich dieser jemand in Zukunft in einem ganz anderen Bereich sieht (Abteilungsleiter.....). Den Meister zu machen ist für solche Leute völlig kontraproduktiv und verschwendete Zeit und Geld.
    Grundsätzlich bietet sich für junge Leute immer der Techniker an oder gleich das Studium, alles andere ist Schwachsinn!
    Junge Meister bekommen kaum Jobs, ist eine Stelle dann nach Jahren frei, bekommt sie jemand der frisch von der Schule kommt... alles schon miterlebt und hier auch schon gelesen.
    Der Meister ist für Leute ü30 mit Berufserfahrung und einem Händchen für die Führung von Arbeitern.


    Meine Sicht der Dinge
    Grüße

  • Der Techniker ist und war noch nie eine Option, da ich aus der Logistik komme.
    Warum ist der Abteilungsleiter in der Logistik ein ganz anderer Bereich, als der Logistikmeister?
    Ich denke mit zusätzlicher betriebswirtschaftlicher Ausbildung habe ich gute Voraussetzungen dafür, die Frage ist nur, wie diese angehen?!
    Gerade der Einzelhandel, aus welchem ich stamme und in welchem ich mich wohlfühle, sucht junge gut ausgebildete Kräfte.
    Bei einem Alter von Ü30 hat man für meine Wunschpositionen kaum Chancen noch reinzukommen.


    z.B. Lidl - Abteilungsleiter Logistik:


    Sie verfügen über einen überdurchschnittlich guten wirtschaftswissenschaftlichen Studienabschluss (Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie) und konnten idealerweise bereits erste Erfahrungen im Logistikbereich sowie der Personalführung sammeln. Sie haben Spaß am Umgang mit Menschen und begeistern sich für den Handel. Flexibilität, eine selbstständige Arbeitsweise, Kommunikationsfähigkeit und ein überdurchschnittliches Engagement zeichnen Sie aus.

    oder Netto Marken-Discount - Verkaufsleiter (Bereichsleiter):


    Sie bieten


    eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung im Handel mit
    mindestens 5 Jahren einschlägiger Berufserfahrung oder ein erfolgreich
    absolviertes betriebswirtschaftliches Fach-/ Hochschulstudium mit erster
    Berufserfahrung im Handel
    Erste Führungserfahrung
    organisatorisches Talent
    Durchsetzungsvermögen, Ehrgeiz und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen
    erfolgsorientiertes Denken und Handeln



    Die Frage ist einfach wie angehen, wie seht Ihr die Chancen über einen dualen Studienplatz BWL (nicht WIING!!) zu studieren?


    Oder lieber berufsbegleitend was an der IHK oder VWA machen und den Lebenslauf um eine weitere kleinere Führungsaufgabe erweitern?
    Bei meinem letzten Arbeitgeber hatte ich immerhin 9 Azubis und 3 MA zu führen, vllt. ergibt sich ja was im neuen Betrieb.


    Um mich besser einzuschätzen hier noch ein kurze Notenübersicht:


    - Mittlere Reife, ~2,5
    - Fachkraft für Lagerlogistik, Berufsschul-Note 1,75, IHK-Brief 2,0
    - Logistikmeister, Auszeichnung als Prüfungsbester mit Durchschnitt von 89 Punkten, lediglich NTG ist mit 72 mißglückt

  • ... vielleicht muss man den Logistik-Bereich etwas abgekoppelt sehen?
    In meiner Branche (zumindest meiner Firma) findet sich kein Abteilungsleiter unter 40 Jahren und schon gar kein Meister, alles Studierte meist sogar Doktoren.


    In der Einzelhandelsbranche findet man selten ältere Führungskräfte.
    Ein Bekannter war Marktleiter bei Aldi. Mit knapp 40 hat er den Job aufgegeben, warum wohl... ich kenne die Antwort.
    Firmen wie Aldi, Lidl, Amazon usw. haben nicht umsonst einen miesen Ruf als Arbeitgeber.
    Ein weiterer Bekannter arbeitet als "Kontrolleur" bei Netto, dessen Geschichten sind so unglaublich, dass ich die nicht mal hier reinschreiben will...
    Beobachte beim nächsten Einkauf in einem der genannten Märkte mal die Mitarbeiter. Von den Kassen-Leuten bis zu denen welche die Regale bestücken, ich garantiere dir dass du keinen finden wirst der einen entspannten Gesichtsausdruck hat oder sogar lächelt. Habe das selbst damals gemacht als mein Bekannter von Aldi wegging!


    Glaub mir, ohne Studium in solchen Unternehmen, da sieht deine Zukunft düster aus.
    Steht ja sogar in den von dir oben beschriebenen Stellenanzeigen. Deshalb verstehe ich nicht warum erst der Meister gemacht wird, nur um hinterher festzustellen, dass es dich nicht wirklich weiter bringt.


    Mir ist schon klar, dass du stolz auf deine Noten und den Abschluß bist, darfst du auch.
    Ich will dir nur ein wenig die Illusionen nehmen ohne Studium weiter zu kommen, das kannst du zu 99% vergessen.
    Geh studieren und mach deinen Weg.


    Grüße

  • @N2H4-LOX


    Aber so pauschal kann man es denke ich auch nicht sagen das der Meister in jungen Jahren immer sinnlos ist.
    Besonders wenn man sich später noch für einen anderen Weg entscheidet.


    Ich habe den Meister damals auch weit unter 30 abgeschlossen. Da in unserem Unternehmen auch alles an Stellen besetzt war,
    hat er mir direkt zwar nichts gebracht, aber ich konnte damit wenigstens Teamleitervertreter machen und es hat sich eine Lohngruppe gebessert.


    Und ich hatte dann zwei Jahre später die Möglichkeit die Stelle zu wechseln, die sich plötzlich aufgetan hat.


    Das wäre ggf. auch noch ein Punkt. Wenn man etwas hat kann es einem ja keiner mehr nehmen und man kann auch
    schnell reagieren. Wenn eine Stelle plötzlich ausgeschrieben ist, ist es zu spät mit dem Meister zu beginnen.


    Zum Thema Studium gesehen kann man damit bei den meisten Anbietern direkt einsteigen und muss auch keine Aufnahmeprüfung über sich ergehen lassen. Das war mein zweiter Vorteil.


    Der dritte Vorteil aus meiner Sicht ist, dass man das Studium entspannter sehen kann. Wenn man das Studium am Ende doch nicht packen würde, dann hat man als Rückfallebene immer noch den Meister und eine abgeschlossene Ausbildung.


    Wenn jemand die Fachhochschulreife erlangt und nachher das Studium nicht schaffen würde, dann hat er im Grund nichts.


    Bei manchen Anbietern kann man sich ggf. auch ein paar Punkte im Studium noch anrechnen lassen. Bringt auch wieder einen Vorteil.


    Naja also was ich damit sagen möchte, ist das eine pauschale Vorverurteilung eines jungen Meisters, vielleicht nicht ganz richtig ist.


    Ggf. liegt es auch daran, weil eben so viele den Meister machen, ist es fast schon zum Zwang geworden. So viele Meister arbeiten als Facharbeiter weiter. Und die haben dann ein höheres Ansehen, wie ein anderer Facharbeiter der "nur" die Ausbildung hat.


    Da ist es eigentlich schon verständlich, aber auch ein wenig traurig, wenn man Azubis im zweiten Lehrjahr reden hört, dass sie alle
    wie selbstverständlich schon vom Meister sprechen.