mein wunderbarer Arbeitsplatz

  • Wer sich 90 Minuten Zeit nehmen kann, sollte sich diesen Film mal anschauen:


    mein wunderbarer Arbeitsplatz


    Wer sich den Film ganz anschaut wird viele Begriffe die er im Rahmen der Meisterschule hört wieder erkennen.
    Und dies am Beispiel namhafter Firmen.


    Vor Allem haben mich aber die Ansätze erstaunt, die eigentlich sagen das das was sich viele als Meister und Führungskräfte vorstellen nicht wirklich das ist was die Firmen (und die Menschen) vorwärts bringt.


    Ich bin gespannt, ob sich hier eine Diskussion dazu entwickelt.


    Bitte beeilt Euch mit dem Anschauen, da der Film nicht sehr lange über die Mediathek verfügbar ist!


    Viele Grüße
    Nase

  • Ein gutes Video. Den einzigen Wunsch in der Arbeit wäre für mich zur Zeit ein Einzelzimmer.


    Mein Kollege dem ich direkt gegenüber sitze hat seit ca. einem Jahr totale Probleme mit seinem Hals.
    Und er ist an schlimmen Tagen nur noch am Räuspern, Schleim ziehen und Schnüffeln.


    Zum Arzt geht er leider einfach nicht.


    Teilweise habe ich glaube ich 400 Blutdruck. Aber weg kann ich ja nicht.


    Da ich mich so super mit ihm verstehe ist die Hemmschwelle sehr hoch, dass ich es ihm direkt sage, dass
    es mich so stört.


    Das erste mal habe ich ihm vom Internet ausgedruckt was es sein könnte. Deutet alles auf Schilddrüse hin.
    Auch seine anderen Symtphome würden passen.
    Und einmal habe ich es übers Herz gebracht und ich habe es ihm direkt gesagt, dass es schon heftig ist
    und er war einsichtig, und sagte, dass seine Frau es auch schon gesagt hat.
    Aber er geht trotzdem nicht. Für 1-2 Wochen hat er dann ganz vorsichtig geräuspert, aber jetzt ist er wieder am alten Stand.



    Habt ihr da vielleicht einen Tipp für mich ?


    Welchen Lärmpegel muss man einfach akzeptieren ? Ist Räuspern und Schleimziehen im 2-3 Minutentakt annehmbar ?


    Wie würdet ihr vorgehen, wenn es euch so stören würde ? Würdet ihr mit dem Kollegen noch einmal sprechen, oder es in euch
    reinfressen ?


    Oder würdet ihr den Chef um Rat fragen ? Mit den Kollegen habe ich ja schon 2x gesprochen.


    Einzelzimmer ist bei uns aber leider auch keines frei. Wir sind eigentlich total voll. Und es würde dann natürlich auch für den
    Kollegen peinlich werden, weil natürlich alle fragen würden, was da los ist.


    Danke im voraus.


    Gruß

  • Hallo zusammen,
    ich sitze gerade im Arbeitskreis Meister der IGM in einem Wochenend-Seminar zu diesem Thema (Industrie 4.0).
    Wir werden uns diesen Film heute Abend gemeinsam ansehen.
    Ich werde mich dann noch einmal dazu melden.
    Gruß
    frewe

  • Wie würdet ihr vorgehen, wenn es euch so stören würde ? Würdet ihr mit dem Kollegen noch einmal sprechen, oder es in euch
    reinfressen ?

    Ich kann das Problem nachvollziehen und habe eine ähnliche Problematik für mich dadurch gelöst das ich manchmal mit Kopfhörer und leiser Musik die Umgebungsgeräusche ausblende.
    Glücklicherweise sagt niemand etwas dagegen, aber ich kann mir vorstellen das so was nicht überall geht.
    Pass dabei bloß auf das Du nicht mitsingst....das macht mein Kollege nämlich manchmal, wenn er einen Kopfhörer aufhat ;-)


    Den Kollegen darauf ansprechen ist wirklich schwierig, wenn man sich das ansonsten gute Verhältnis nicht kaputt machen möchte.


    Eine Alternative wären vielleicht noch Ohrstöpsel, wenn Du mal die volle Konzentration brauchst.
    Wenn der Kollege das mitbekommt, fragt er ja vielleicht mal warum Du das machst und dann könnt ihr drüber reden.


    Ich hatte auch schon das Glück Büros für mich alleine zu haben, aber auch Großraumbüros haben mir in einem gewissen Rahmen Spaß gemacht. Wichtig finde ich, das man sich die Arbeitsumgebung suchen kann die man zur Erledigung seiner Aufgaben benötigt und auch den Kontakt zu Kollegen nicht verliert.


    Viel Grüße
    Nase

  • Hallo Nase,


    vielen Dank für deine schnelle Antwort.


    Also Musik über Ohrstöpsel funktioniert leider nicht so, weil das Räuspern usw. schon ziemlich laut ist.
    Das würde er dann sicher hören. Mitsingen tut er beim Radio manchmal auch. Aber
    das stört mich z.B. überhaupt nicht.


    Bei Ohrstöpsel leider das gleiche. Ich hatte es schon einmal ausprobiert. Nur hört man das Räuspern
    und Schleimziehen durch die Ohrstöpsel durch. Bei einer anderen Marke war es zwar fast weg, aber
    ich hörte fast garnichtsmehr.


    Der große Nachteil ist, dass wir ein "offenes" Büro haben. Also neben Email und Telefon kommen auch Kollegen
    mal direkt ins Zimmer um plötzlich etwas zu besprechen. Und da war es einfach nervig die Ohrstöpsel dauernd raus
    und reinzutun. Auch kommt es mal vor, dass mein Kollege plötzlich mal etwas fragen will, und so schnell merke ich das
    dann nicht, dass ich die Dinger rausbekomme und dann stehe ich blöd da.


    Leider hilft es irgendwie alles nichts :-(


    Vieleicht wäre in diesem Fall so ein richtiges Großraumbüro besser, weil der Grundgeräuschpegel noch höher ist,
    dass man sich dann nicht dauernd nur auf den einen Kollegen konzentriert.


    Ich weiß es klingt böse, aber wenn mein Kollege mal Urlaub hat und ich alleine im Zimmer bin, dann ist es für mich fast
    wie Urlaub.


    Und was mich am meisten ärgert ist halt, das er es schon gesagt bekommt, und trotzdem nicht zum Arzt geht.
    Gerade bei Schilddrüsen steht ja, dass man einfache Jod-Tabletten bekommen würde und das Problem wäre ggf. nach ein paar
    Tagen weg.... Und so gehts weiter und weiter. Besonders muss es ja auch selbst eine Anstrengung sein, wenn man alle 2-3 Minuten
    Räuspern und Schleimziehen muss. Auch könnte es ja krebslich werden.
    Mittags gehe ich fast auch nicht mehr mit. Weil er im freien dann wirklich fast im Minutentakt schleim zieht und räuspert.
    Ich glaube das er Angst vor Ärzten hat. Er ist auch mit der Grippe nach 2 Tagen in die Arbeit zurückgekehrt, damit er kein Attest benötigt.


    Aber gut. Ich kann nur hoffen, dass er bald gescheiter wird und zu einem Arzt geht.
    Aber ich glaube eher nicht.
    Weil nach einem Jahr macht mich das ganze bald verrückt.


    Aber ich sehe es halt auch bald nicht mehr ein, wieso ich mich praktisch Tag für Tag kaputt ärgere und praktisch das ganze ausbaden soll mit Hilfsmitteln usw., nur weil er den Arzt verweigert.


    Aber gut soviel dazu. Passt ja auch alles nicht direkt zum Thema


    Schönes Wochenende noch.

  • Eine Alternative wären vielleicht noch Ohrstöpsel, wenn Du mal die volle Konzentration brauchst.
    Wenn der Kollege das mitbekommt, fragt er ja vielleicht mal warum Du das machst und dann könnt ihr drüber reden.


    Das wäre auch mein Ansatz.
    Aber statt Ohrstöpsel würde ich eine "Micky Maus" nehmen.
    Die ist auffallender und erzeugt bei deinem Gegenüber stets ein schlechtes Gewissen.
    Falls er dich darauf anspricht, sag ihm ruhig dass du dich bei seiner ständigen Geräuscherzeugung nicht auf deine Arbeit konzentrieren kannst.
    Falls er fragt ob du nicht unauffälligere Ohrstöpsel nehmen kannst (...der Chef könnte ja fragen!), sag ihm, dass du am liebsten gar keinen Gehörschutz tragen würdest. Noch diplomatischer wird's kaum gehen.
    Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn er da nicht einlenken würde. (Wenigstens schätze ich ihn nach deiner Beschreibung so ein)


    Falls er wider Erwarten doch auf stur schaltet, hast du die Option ihm klipp und klar ein Ultimatum zu setzen.
    Danach würdest du beim Chef einen Gehörschutz beantragen.
    Der fragt dann natürlich "Warum?" ...



    LG
    BigPaps

  • Passt ja auch alles nicht direkt zum Thema

    Also ich finde es passt schon, da es um die Zusammenarbeit geht und wie Probleme unter Kollegen eben mit oder auch ohne GL gelöst werden können.
    Außerdem sind das ja auch Dinge die unter "Arbeitsbedingungen" fallen, die einem eben zu den 11% Lachenden, den 57% Zweckorientierten oder dem Rest der Frustrierten angehören lassen. Die Zahlen und die Aussage das der Rest der Frustrierten sogar bis hin zur Sabotage geht fand ich übrigens interessant und nicht mal überzogen.


    Zu Deinem Problem: Du machst Dir Sorgen um die Gesundheit Deines Kollegen, aber auch deine Gesundheit leidet unter der Situation. Wenn es für Dich unerträglich wird, wirst Du irgendwann wegen einer kleinen Erkältung zuhause bleiben, da Du Dir die Situation in der Firma nicht noch dazu geben willst. Daraus wird dann ganz schnell ein Motivationsproblem für Dich. Dem würde ich schon versuchen frühzeitig entgegenzuwirken.
    Sage dem Kollegen, das Du schon überlegt hast Dich in ein anderes Büro setzten zu lassen, da Dich die Situation belastet, aber Du lieber mit Deinem Kollegen weiter zusammenarbeiten würdest...nur so wie es im Moment ist, ist es für Dich fast nicht mehr erträglich. Entweder er reagiert darauf, oder Du musst dann halt sehen wie Du da raus kommst.
    (mit Diagnosen was es sein könnte, wäre ich vorsichtig....höchstens vielleicht gut zureden, das es sicher nichts schlimmes sein wird)


    Viele Grüße
    Nase

  • Hallo,


    danke für eure Antworten.


    Ja also so wie ich sehe, muss ich es doch noch einmal in Angriff nehmen und direkt mit ihm sprechen.
    Ich warte dann am besten mal den nächsten schlimmeren Tag ab, wo er es im 2-Minutentakt macht.


    Wenn andere Kollegen im Zimmer sind, macht er es auch. Einmal ist der Teamleiter auf seinem Stuhl gesessen und er stand
    daneben. Da hat er auch Schleim gezogen. Aber der Teamleiter hat auch nichts gesagt. Auch nicht andere Kollegen.
    Aber das würde ich glaube ich auch nicht, wenn ich wüsste, dass ich nach ein paar Minuten wieder in mein eigenes Zimmer gehe
    und Ruhe habe.


    Mit der Motivation hast du Recht. Also wenn in der Früh der Wecker klingelt, oder auch wenn ich Abends in Bett gehe,
    denke ich schon teiweise dran, wie schlimm es an diesem Tag wieder werden wird. Und dann ist die Motivation gleich 0.


    Aber vielleicht gewinnt man ja doch bald mal im Lotto ;-) Das wäre zur Zeit der einzige Ausweg ;-)


    Auf jedenfall danke für Eure Antworten.

  • Zitat

    Fast überall liegen die Schlüssel zum Erfolg in einer grundlegenden Neuorganisation des Unternehmens: Auflösung hierarchischer Pyramidenstrukturen, Gleichbehandlung aller Mitarbeiter, Abschaffung von Kontrollen und Chefposten, umfassender Informationsaustausch. Von der besseren Atmosphäre am Arbeitsplatz profitieren alle. Hoffentlich finden diese Ideen bald weiteren Anklang.


    Was hier als ultimatives Geheimrezept verkauft wird erinnert mich an eine anderes radikales Modell: Direkte Demokratie


    In beiden Fällen soll die große Summe selbst entscheiden, ob sie für eine solche Entscheidung überhaupt qualifiziert ist interessiert doch niemanden!
    Hauptsache, es können möglichst alle unmittelbar am Entscheidungsprozess mitwirken.
    Wird der Karren dann doch einmal gegen die Wand gefahren lastet die Schuld zumindest auf allen Schultern gleich. Nur kann ich mir davon auch nichts mehr kaufen...


    Auch interessant ist, daß manche dieser "befreiten Firmen" doch wieder für bestimmte Schlüsselpositionen ein "starker Mann" wählen welcher dann "durchregieren" soll.


    Ich habe mich im Verlauf der gesamten Doku gestoßen an dieser ständingen Verzerrung, der Überspitzung von wegen wie unglücklich wir alle sind und wie schlecht es der arme, ausgebeutete Arbeiter doch hat. Vor 100 Jahren noch wäre es im angeblich so viel besser ergangen...


    Was ich glaube ist: Glück "findet" man nicht durch neue Erungenschaften, mehr Kohle, einen besseren Job. Glücklich muss man mit dem werden, was man hat. Weil mehr könnte es vielleicht ja doch immer irgendwo anders geben.
    Zufriedenheit entscheht dadurch, daß ich mir selber eingestehe genug zum Leben zu haben!
    Und meine Erwartungshaltungen an die Realität anpasse!
    Und ich muss auch die uns Menschen ureigene Raffgier in mir selber in den Griff bekommen!
    Und in dem Kontext ist es auch nicht produktiv, die ganze Zeit mit dem Finger auf andere, "das böse System", die "ungerechte Welt" zu zeigen.


    Gruß
    Sebastian


  • Und in dem Kontext ist es auch nicht produktiv, die ganze Zeit mit dem Finger auf andere, "das böse System", die "ungerechte Welt" zu zeigen.


    Das spiegelt sich finde ich auch in vielen Kommentaren auf der arte-Seite wieder.
    Die Lösung steckt doch in uns selber und nicht darin, daß jemand den Chefs mal ordentlich eines auf die Mütze gibt oder gleich eine ganze Führungsriege abgeschafft wird.
    Sinngemäßes Zitat daraus: "Jetzt verstehe ich endlich, warum ich in diesem Bullshit-Job machen muss damit die da oben ein schönes Leben haben"
    Bullshit finde ich persönlich diese Aussage. Garnichts hast Du verstanden...
    Jeder ist doch seines Glückes Schmied. Aber es ist natürlich viel einfacher, sich in der Opferrolle zu suhlen als in die Hände zu spucken und etwas anderes aus sich zu machen mit dem man sich mehr anfreunden kann...


    Gruß
    Sebastian

  • Leider scheint der Film meinen Laptop zu überfordern.
    Fast alle 2 Minuten bleibt er stehen und ich muss abbrechnen, warten und an der Stelle weiterschauen.
    Manchmal geht's, manchmal nicht. :keineanhnung:
    Bin jetzt bei 11 Minuten angelangt.
    Das wird also noch etwas dauern. :/


    LG
    BigPaps

  • Genial! :loben::klatsch::klatsch:


    Das scheint zu funktionieren.
    Vielen Dank, Sebastian! :thumbsup:


    LG
    BigPaps

  • @SnakeKaplan Naja, aber wenn man ehrlich ist, dann sind auch nicht mehr alle sooo glücklich und teilweise muss man in der heutigen Arbeitswelt schon einiges bieten, damit man wenigstens einen mittleren Lohn erhält.


    Wenn man sich die heutigen Rentner so ansieht, dann sind sie aus einer Zeit gekommen, wo sie ihre Ausbildung ggf. auch den Meister absolvierten und mit diesem Wissen sind sie bis zur Rente gekommen. Dank im Prinzip guter Entlohnung und angemessener DM Preise konnten sie anscheinend auch einiges zur Seite legen.


    Auch finde ich macht das System der Globalisierung jedem Land noch zusätzlich Druck und Arbeit. Jedes Unternehmen das exportieren möchte, muss 24 Stunden erreichtbar sein und rund um die Uhr produzieren.
    Das alles führt bei gewissen Stellen zur 24 Stunden Erreichbarkeit. Emails checken in der Freizeit/Urlaub usw.


    Wenn man bei unserem heutigen Automatisierungsstand nur die benötigten Produkte für das jeweilige eigene Land produzieren würde,
    dann wäre ich sicher, dass wir wesentlich weniger arbeiten müssen und alles entspannter wäre.


    Heute ist es doch so, dass die Unternehmen immer mehr Leute einsparen und die Arbeit auf immer weniger Mitarbeiter verteilen.
    Das machen sie geschickt, dass man nach und nach ein paar Funktionen aufs Auge gedrückt bekommt. Natürlich ohne Lohnausgleich.


    Weiterbildungen werden fast schon wie selbstverständlich neben der Arbeit gefordert. Bei einigen Positionen teilt der Arbeitgeber Dienst-Smartphones aus, wenn "rein" zufällig mal außerhalb der Arbeitszeit etwas sein sollte.
    Alles das geht von der Lebenszeit/Freizeit ab und bringt keinerlei mehr Lohn.


    Und man braucht ja nicht Lügen, wenn man sagt, dass bei vielen Unternehmen die Entlohnung mehr als traurig ist.


    Ich kenne viele, die sind gute Facharbeiter, schieben noch Rufbereitschaft. Aber durch die mittelmäßige Entlohnung und die teuren Lebensunterhaltskosten, Mieten usw. bringen sie nicht mehr viel Geld zum Sparen weg. Da wenn ein neues Auto anstehen würde, geht da vielen die Augen auf, weil sie sich nicht einmal mehr einen neuen Golf leisten können, weil dieser ja in der Standard Ausführung schon weit über 20000 Euro kostet. Über GTI und R brauchen sie da garnicht nachzudenken.


    Gerade der Unterschied vom öffentlichen Dienst zu Unternehmen klafft ja mehr als weit.
    Da verdient ein Meister mit Rufbereitschaft teilweise gerade soviel wie ein Facharbeiter außerhalb.



    Und daher finde ich schon, dass eine angemessene Entlohnung zum Zufriedensein dazu gehört. Weil man kann nicht zufrieden sein,
    wenn man Vollzeit arbeitet, Rufbereitschaften usw. absolviert und am Ende nichts übrig bleibt, weil die Unternehmen von ihren Gewinnen nicht mehr für ihre Mitarbeiter übrig haben.


    Also ich kann da schon den Kopf schütteln, wenn man Artikel liest, dass soviele Unternehmen keine Steuern zahlen, Milliardengewinne machen und nur noch den Begriff "Fachkräftemangel" rufen, damit sie noch mehr günstige Arbeiter aus dem Osten bekommen können, um die Löhne noch mehr zu drücken.


    Und noch dazu führt die geringe Entlohnung vieler Arbeitnehmer ja zu unserem kommenden Rentenproblem.
    Wir sollen bald bis 70 arbeiten, und wissen heute schon, dass viele mit mittlerem Einkommen dann in die Mindestrente fallen.
    Aber wenn es darum geht, dass sie einem von Brutto fast die Hälfte wegnehmen sind sie schnell.


    Also ich persönlich mache mir da schon Sorgen, wenn ich bedenke das ich zur Rente mit 67 noch 36 Jahre habe.
    Technik wird sich sicherlich immer schneller ändern. Weiterbildungen müssen sicherlich immer schneller absolviert werden
    und die Löhne werden immer mehr sinken bzw. wie die vielen letzten Jahre auch fast nicht mehr steigen, weil die Poliker und Unternehmen mit den östlichen Fachkräften ja gerade einen Wahn haben und das Lohndumping unterstützen.

  • andi,


    mit vielem was Du da schreibst hast Du Recht.
    Aber es sind meist Probleme, welche nur spezifisch auf die Industrie zutreffen.


    Und wenn Du zur Einsicht kommst, daß Du dich damit nicht mehr auseinander setzen willst, dann wäre z.B. zu überlegen sich anderweitig zu entwickeln.


    3 Leute aus meinem direkten Umfeld haben der Industrie und dem produzierenden Gewerbe den Rücken gekehrt:
    - einer hat nach seiner Facharbeiterausbildung und etwas Berufserfahrung eine weitere Lehre zum Erzieher abgeschlossen. Der Job gefällt ihm gut. Die wegfallenden Schichtzulagen machen sich zwar deutlich bemerkbar aber er ist zufrieden
    - ein weiterer war Leiter im Projektmanagement bei Siemens. Ein extrem gut bezahlter Job. Diesen wollte er aber nicht weiter bis zur Rente verfolgen. Es hat ihn zu wenig erfüllt. Nun ist er Heilpraktiker, verdient nur noch einen Bruchteil seines alten Gehaltes aber ist glücklich in seinem Beruf.
    - Mit dem Dritten habe ich zusammen mein Fachabi geschrieben. Er wollte unbedingt Elektrotechnik studieren und dann auf Ing.-Niveau wieder einsteigen. Er hat mittlerweile das Studium abgebrochen und lässt sich nun zum Ostheopaten ausbilden.
    - Ein 4. überlegt gerade nach seinem bestandenen Fachwirt (er ist Werkzeugmechaniker), ob er nicht doch lieber in die Landwirtschaft / Forstwirtschaft geht.


    Worauf ich hinaus will:
    Irgendwann kann der Punkt kommen, da ist Industrie einfach nichts mehr für einen. z.B. aus all den Gründen, die Du da aufgezählt hast.
    Dann könnte es Zeit sein sich selbst neu zu erfinden.


    Nur die Erwartungshaltung an die Industrie oder die Politik sie sollten sich doch bitte nach unseren Wünschen richten ist unrealistisch ;)


    Wir sind das absolute Hochlohn-Land überhaupt. Die Mitbestimmungsrechte, welche den AN eingeräumt werden, sind im internationalen Vergleich beispiellos.
    Unsere Trümpfe sind Ausbildung, Qualifizierung und in (immer weniger Bereichen) das neuste know how.
    Diese 3 Vorteile müssen die Unternehmen aber im internationalen Vergleich gesehen teuer bezahlen, auch wenn es viele legale Steuerschlupflöcher gibt.


    Das ist die Realität, damit muss sich jedes UN auseinander setzen und wir sind eben nur Arbeitnehmer, keine Geschäftsführer oder Vorstände.
    Und wenn uns das nicht mehr in den Kram passt, dann kann man entweder bis zur Rente weiter lamentieren oder man freundet sich damit an oder man tut was.


    Was bringt es denn, wenn man sich ständig über Dinge aufregt, die man doch nicht ändern kann? Sollte man nicht liebe genau diese Energie für etwas sinnvolleres nutzen? :)


    Gruß
    Sebastian

  • ...den Film hab ich noch nicht geschaut, aber solche Diskussionen kommen ja mit schöner Regelmäßigkeit, nicht nur im TV, auch hier im Forum.
    Meist spalten sich die Meinungen in zwei Lager. Die einen wollen Spaß bei der Arbeit haben und schauen nicht so aufs Geld, die anderen gehen wegen Geld arbeiten.
    Jede/r muss sich entscheiden was für ihn / sie wichtiger ist.


    Leider lernen die meisten Menschen erst hinzu wenn sie dazu gezwungen werden.
    Um 50€ zu sparen wird in keine Gewerkschaft eingetreten bzw. ausgetreten. Da braucht sich keiner wundern wenn die Löhne niedrig sind.
    Bahn, Fluglotsen.... machen es vor wie es geht. Das spüren dann alle und viele schimpfen, völlig zu Unrecht. Die setzen ihre Forderungen durch.
    Jede/m die/der in keiner Gewerkschaft organisiert ist, spreche ich jedes Recht ab sich über niedrige Löhne zu beschweren. Ist wie bei der Bundestagswahl, wer nicht wählt über den wird entschieden.


    Mein Motto lautet immer noch: "Ich gehe arbeiten wegen der Entlohnung, mich motiviert in erster Linie das Geld, in zweiter Linie das Geld und in dritter Linie das Geld". Ich gebe nichts auf die Lüge dass Geld kein Motivator sei. Diese Lüge wurde in den 60ern von Arbeitgebern und bestochenen Psychologen entwickelt mit dem Ziel die aufkommenden Gewerkschaften zu schwächen. (Für die IM-Prüfung natürlich so nicht hinschreiben, das gibt wenig Punkte)
    Ist ja schön wenn jemand mit Job und Bezahlung zufrieden ist, auch wenn man woanders mehr verdienen könnte (mit etwas weniger Spaß...).
    Schaut auf den Parkplatz eurer Vorgesetzten. So lange die große Schlitten fahren können (auch Geschäftswagen) ist genug für Löhne der Mitarbeiter vorhanden.


    Sebastian hat eine Bestandsaufnahme gemacht wie es Unternehmer wohl sehen.
    Tatsache ist, dass Deutschland den Wohlstand unter anderem den Gewerkschaften zu verdanken hat und dem alten deutschen Schul- und Ausbildungssystem.
    Die deutsche Wirtschaft ist jedoch dabei über die Lobbyarbeit beide Systeme zu Grunde zu richten. Durch die hohen Ausländeranteile in den Schulen wird der Schnitt stark herunter gezogen. Hier bitte keine Unterstellungen ich hätte etwas gegen Ausländer, dies ist definitiv nicht der Fall. Meine Meinung bestätigt sich immer wieder bei den Azubis welche ich unterrichte. Ein weiterer Punkt ist die Abschaffung des Ingenieurs nur um internationale Vergleichbarkeit zu haben. Mit Bachelor ist man gerade mal etwas über Techniker-Niveau, darf sich aber als Akademiker fühlen... Aufs Gymnasium kann jeder gehen dessen Eltern dies wünschen, leider gibt es keinen erforderlichen Notenschnitt, auch hier sinkt das Niveau kontinuierlich.
    Alle Vorteile welche Deutschland hatte und um die uns der Rest der Welt beneidet schafft die Industrie mit voller Absicht durch Lobbyarbeit ab. Und nur weil der kurzfristige Erfolg der Vorstände zählt. Diese Vorstände sind längst keine Deutsche mit (dem richtigen) Nationalstolz mehr.
    Es gibt genug Beispiele, um mal eins stellvertretend zu nennen die Whisky-Industrie. Ein ordentlicher Whisky sollte 10 Jahre und mehr im Fass lagern. Dies übertrifft meist die Amtszeit jedes Vorstandsvorsitzenden. Der arme Kerl hat dann ein riesiges gebundenes Kapital im Lager, welches niemals zu seiner Jahresprämie beitragen wird. Also werden verstärkt Whiskys ohne Jahrgangs- oder Altersangabe auf den Markt geworfen... (erst gelesen im Newsletter eines Online-Händlers, nicht auf meinem Mist gewachsen, aber es paßt hier durchaus).


    Und ein Hochlohnland sind wir auch nicht, wir sind ein Hoch-Qualitäts-Land!
    Qualität hat ihren Preis, wer keine Qualität will, der soll woanders kaufen.
    Auch dieses Märchen der AG-Lobby zerstört das wofür "Made in Germany" steht. DL ist kein Hochlohnland!!!


    Und wie Andi geschrieben hat, die größten Unternehmen zahlen die niedrigsten Steuern (Ikea, Amazon..............)
    Und die Politik läßt sie davon kommen, fließen da etwa Gelder.... :pssst:


    Grüße

  • Bis inkl. der Passage mit dem Whisky kann ich es nachvollziehen.


    Beim Rest bin ich wie gesagt anderer Meinung.


    Aber eigentlich ist es egal, was WIR darüber denken. Wir treffen keine Entscheidungen in solchen Größenordnungen und werden das wohl auch nie tun... ;)


    Gruß
    Sebastian

  • Aber eigentlich ist es egal, was WIR darüber denken. Wir treffen keine Entscheidungen in solchen Größenordnungen und werden das wohl auch nie tun...

    Aber WIR haben zumindest die Möglichkeit einen Einfluss darauf zu nehmen, dass es in den Unternehmen vielleicht etwas menschlicher zugeht. Manche von uns haben die Position, um Mitarbeiter zu Mitstreitern bzw. Teilhabern zu machen. Wir können mit unserer Begeisterung für unsere Arbeit anderen Kollegen zeigen das man auch lachend zur Arbeit gehen kann.


    Der Film regt auf jeden Fall an, mal darüber nachzudenken, ob alles was wir schon seit langem machen überhaupt richtig ist und auf der anderen Seite wird auch nicht vergessen daran zu erinnern, das zu erhalten wofür Generationen gekämpft haben.


    Solche Ansätze wie im Film funktionieren nur dann, wenn Firma, Mitarbeiter, Produkt und Markt dies erlauben. Aber das gleiche gilt aber auch für die bisherigen Organisationsformen.


    Viele Grüße
    Nase

  • Ja, da hast Du Recht Nase.


    Was wir auch nicht vergessen dürfen:
    Gute, ehrliche Arbeit ist auch nicht jedem vergönnt. Es mag zwar etwas durchgeknallt klingen, aber ein guter Job ist absolut keine Selbstverständlichkeit.
    Also auch wenn wir unsere Werte leben, damit unseren Kollegen einen erträglicheren Arbeits-Alltag ermöglichen und in unserem Unternehmen ein Vorbild geben, dürfen wir nicht vergessen, daß wir im Vergleich zu anderen recht privilegiert sind z.B. im Vergleich zum Leiharbeiter am Band.
    Aber auch für den Mann am Band kann die Arbeit dort für sein Empfinden gut, ehrlich und fair bezahlt sein. Ehrliche Arbeit für ehrliches Geld.


    Wenn aber unsere Firmen dicht machen oder abwandern, dann gibt es für keinen mehr Arbeit. Und wenn im Extremfall ganze Regionen sterben (Ruhrgebiet, Detroit, Bochum...), dann kommt man auch nicht so schnell "wo anders" unter. Es gibt dann nämlich kein "wo anders" mehr. Dann gibts nur eins: Selbst abwandern.


    Uns geht es nur so lange gut, wie es unseren Firmen gut geht. N2H4-LOX arbeitet - wie viele andere - nur fürs Geld. Das kann unter gewissen Umständen auch sehr gut fürs Geschäft der Firma sein!
    Es läuft aber definitiv nur so lange so wie es auch Unternehmen gibt, die einen einstellen und bezahlen.


    Jedem Gewerkschaftsvertreter sollte schon einleuchten, daß man ohne Werk und Arbeiter keine Gewerkschaft mehr braucht...


    Gruß
    Sebastian