Ausbildungsvertrag nichtig?


  • Hallo zusammen,

    vielleicht kann mir jemand bei folgender Frage weiterhelfen.

    Die Personalstelle des Unternehmens schreibt einen Ausbildungsplatz „Bürokaufmann für Büromanagement“ aus und fordert für diesen den Realschulabschluss als „Mindestschulabschluss“.


    Ein Bewerber besucht zurzeit die Realschule und wird diese voraussichtlich im Sommer 2018 mit dem entsprechenden Abschluss verlassen. Der Bewerber bewirbt sich, durchläuft das Auswahlverfahren, stellt sich als geeignet heraus und unterschreibt den Ausbildungsvertrag, welchen ihm das Unternehmen anbietet.

    Der Bewerber denkt nun nur noch an die Ausbildung, lässt die Schule links liegen und besteht den Realschulabschluss nicht. Er verlässt die Schule mit einem Hauptschulabschluss.


    Frage:

    Ist der Ausbildungsvertrag nichtig? Kann das Unternehmen diesen auflösen? Falls ja, gibt es entsprechende Rechtsnormen die dieses belegen?


    Im Voraus Danke.


    Gruß

    tfm

  • Hallo. .

    Ich denke dass der Ausbildungsvertrag aufgelöst werden kann weil , die Zulassungsvoraussetzung nun nicht mehr erfüllt ist.

    Da explizit der Realschulabschluss verlangt wurde und dieser nicht geliefert wurde gilt dies als unterqualifiziert und wäre auch nicht fair den anderen Bewerbern gegenüber die nun mal einen solchen abschluss liefern..

    Du kannst ja auch kein Ingenieur werden wenn du kein studium machst. .

    Ich persönlich denke dass der Abschluss nur als Richtung dienen sollte und keine Verpflichtung sein sollte um eine Lehre zu machen.

    Aber das ist nur meine Meinung .

  • Das Unternehmen kann den Ausbildungsvertrag auflösen, jedoch denke ich dass dies in der Praxis nicht vorkommen wird.

    1. Das Unternehmen hat diesen Bewerber wohl nicht aufgrund anderer Qualitäten eingestellt

    2. Sind in der momentanen Bewerbersituation viele Unternehmen froh über Auszubildende

  • "Vor Ausbildungsbeginn sowie während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis von beiden Parteien ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden. Nach Ablauf der Probezeit ist für den Arbeitgeber eine ordentliche Kündigung ausgeschlossen. Der Auszubildende kann dagegen bei einem Berufswechsel oder einer Berufsaufgabe das Berufsausbildungsverhältnis auch nach Ablauf der Probezeit unter Einhaltung einer Frist von 4 Wochen kündigen. Beiden Parteien steht aber das Recht zu, das Berufsausbildungsverhältnis auch nach Ablauf der Probezeit aus wichtigem Grund fristlos zu kündigen."

    _______________________


    Das habe ich dazu gefunden, jedoch ohne direkte Angabe wo das gesetzlich geregelt sein könnte. Regelungen zur Kündigung eines Ausbildungsvertrages sind in § 22 BBiG zu finden, jedoch nicht dieser spezielle Fall.


    Ich denke aber das man hier auch davon sprechen kann damit eine Kündigung aus wichtigem Grund vorliegt, was dann schon gesetzlich definiert ist. Wichtig ist nur damit die Kündigung, für den Fall damit der Auszubildende ein Minderjähriger ist, an die gesetzlichen Vertreter gehen muss.




    April 2016:ada: Mai 2017:BQ: Mai 2018:HQ: Juni 2018:IM:

    "Das Ziel bestimmt den Weg!"

  • Hallo,


    danke für die zahlreichen Antworten.


    Ich habe gestern Abend auch nochmal recherchiert. Es gibt kein Gesetz und keine Verordnung in der ein fehlender Schulabschluss als Kündigungsgrund genannt wird.

    Im Auswahlverfahren des Unternehmens wird die „grundsätzliche“ persönliche und fachliche Eignung des Bewerbers geprüft. Alles unabhängig vom Schulabschluss. Bringt der Azubi die Leistung (im Betrieb / in der Berufsschule) die von ihm erwartet wird spricht nichts für eine Kündigung.

    Der § 22 Abs. 1 BBiG lässt jedoch auch meiner Meinung nach die Option "Kündigung" durch den Arbeitgeber zu. Ob das Unternehmen diese Möglichkeit ausnutzt kann ich mir jedoch nicht vorstellen.

  • Wenn man mal drüber nachdenkt ist es ganz einfach - während der Proebzeit kann das Ausbildungsverhältnis jederzeit von beiden Seiten gekündigt werden, erst danach ist es erheblich schwerer einen Auszubildenden zu kündigen. Ich würde mal denken vor der Probezeit gilt selbiges wie während dieser.

    April 2016:ada: Mai 2017:BQ: Mai 2018:HQ: Juni 2018:IM:

    "Das Ziel bestimmt den Weg!"

  • Frank88 hat das schon ganz gut zusammengefasst. Es würde also ohne Probleme gehen


    Die Frage ist nur ob die das wirklich machen wollen. Der Abschluss wird ja meist erst Anfang Sommer erreicht, ein paar Monate später geht schon die Ausbildung los.

    In so kurzer Zeit findet und will wohl kaum ein Unternehmen sich nach Ersatz umsehen.


    Aber mal anders gefragt tfm . Bist du nicht in der Lage, jetzt im April noch das Ruder soweit rum zu reißen um den Abschluss zu bestehen?

  • Oh da hätte ich auch mal eine Frage die mich brennend interessiert.


    Wie ist es wenn ich einen Arbeitsvertrag mit zb. einem Mann abschließe, der Arbeitsbeginn ist in 6 Monaten bis er diese Stelle antritt, lässt er sich umoperieren?

    Also so so eine transgender Geschichte, ist der Vertrag dann nichtig oder bin ich diskriminierend auf Grund des Geschlechts :/:/


    Ich weiß die Chance das sowas passiert ist gering interessieren würde es mich trotzdem :D

  • Ich würde sogar soweit gehen, das die Planung der anzustellenden Person zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlung diesen Schritt der Geschlechtsumwandlung zu durchleben bereits so weit fortgeschritten war, dass diese Information hätte mitgeteilt werden müssen.

    Schließlich wäre ja der Vertrag alleine dahingehend nichtig, weil die Person häufig dann auch einen anderen Namen annimmt.

    So wurde aus Hans-Dieter eine Elfriede die mir gänzlich unbekannt ist :/^^


    Kündigung ohne Angabe von Gründen innerhalb der Probezeit - eine Möglichkeit.

    Diskriminierung - JAEIN.

    Verheimlichung von evtl. Einstellungsrelevanten Informationen - schon eher.


    Sehr eigenartiger Fall, hoffe ich muss ihn nicht durchleben :-D


    Das liebe BBiG wäre dann mein erstes Nachschlagewerk.

    03/2016 Start in die Weiterbildung | 05/2016 :ada:| 05/2017 :BQ:| 05/2017 :HQ: | 07/2017 :IM: Logistik

  • Hi,


    im Prinzip können die den Vertrag aufheben, da du die Anforderung nicht mehr hast. Zudem ist die mindest Anforderung ja dafür da, dass man die Ausbildung auch bestehen kann. Wenn man also die Realschule nicht besteht, besteht auch die Gefahr das die Ausbildung nicht bestanden wird. Das ist natürlich sehr ärgerlich für den Betrieb.

    Aber man sollte es auf jeden Fall abklären mit dem Betrieb und du kannst sie vielleicht weiterhin überzeugen.


    LG

  • Es gibt aber m.W. für keinen Beruf in Deutschland einen vorgeschrieben Schulabschluß. Was die Unternehmen möchte ist eine Sache.


    Aber ich verstehe das Problem nicht. Einfach noch am ersten Tag in der Probezeit ohne Angabe von Gründen - fertig. Wenn man den meint so jemand nicht haben zu wollen, zwar nicht schön für die Person aber:


    Wenn es heute Auszubildene gibt die bei 2 oder 3 Unternehmen zusagen und dann nicht mal den Anstand haben vor dem 1.9. abzusagen kann man das auch so machen als Unternehmen.

    IM Elektrotechnik Teilzeit (Samstag) Start November 2017 "Der Weg ist das Ziel!"


    :ada:03/18

  • Wenn es heute Auszubildene gibt die bei 2 oder 3 Unternehmen zusagen und dann nicht mal den Anstand haben vor dem 1.9. abzusagen kann man das auch so machen als Unternehmen.

    Ich finde beide Vorgehensweisen unterirdisch.

    Wir sollten es als Meister doch besser machen. Zumindest habe ich das in ZIB gelernt.


    Warum nicht offen auf den zukünftigen AZUBI zugehen und ihm einen Aufhebungsvertrag anbieten.

    Hat den Vorteil er weiß bescheid und kann sich dazu äussern.

    Sollte er dann immer noch uneinsichtig sein, kann immer noch in der Probezeit gekündigt werden.

    :ada:Juni 2016 :BQ:Juli 2016 :klatsch: SIFA : Okt 2017 :HQ:Nov 2017 :IM:Jan 2018


    Und wenn alle anderen die Lüge glauben - wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten-, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.
    (George Orwell)

  • Hallo zusammen,


    das Thema hat sich sehr interessant entwickelt.


    Es gibt aber m.W. für keinen Beruf in Deutschland einen vorgeschrieben Schulabschluss.

    Ja, sehe ich genau so.


    Wir sollten es als Meister doch besser machen. Zumindest habe ich das in ZIB gelernt.


    Warum nicht offen auf den zukünftigen AZUBI zugehen und ihm einen Aufhebungsvertrag anbieten. Hat den Vorteil er weiß bescheid und kann sich dazu äussern. Sollte er dann immer noch uneinsichtig sein, kann immer noch in der Probezeit gekündigt werden.

    Ein guter Vorschlag. Das ist auch meiner Meinung nach die richtige Herangehensweise an die Situation.



    Gruß

    tfm