Umgang mit "schwierigen" Auszubildenden

  • Liebe Kollegen,


    jetzt muss ich mich mal wieder mit einem Problem an euch wenden.


    Ich habe die nächsten Wochen noch einen Auszubildenden bei mir in der Werkstatt, der leider etwas zu sehr von sich selbst überzeugt ist. Das verursacht leider bei einigen Facharbeitern ein wenig Spannungen.... (Andere lassen sich davon auch nicht beirren und lassen ihn einfach Reden)


    Die Situation ist die:
    Der besagte Auszubildende ist in der Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebdienst. Im BAP ist ein mehrwöchiger Einsatz in der Lokinstandhaltung vorgesehen. Der Eisenbahner im Betriebsdienst ist per Definition ein Metallberuf, in der Praxis jedoch eher Kaufmännisch-Serviceorientiert gestaltet. Den Ausbildungsberuf gibt es mit zwei Fachkrichtungen, einmal "Fahrweg" (Stellwerker) und einmal "Lokführer und Transport" (Lokführer). Der besagte Auszubildende befindet sich in der Ausbildung mit letzterer Fachrichtung.


    Wie gesagt, seine Äußerungen führten nun leider vermehrt dazu, dass einige Kollegen ihn nicht mehr betreuen möchten. Mehrfach schon betonte er seine "höhere Stellung als Lokführer" gegenüber der Instandhaltung (die es schlicht nicht gibt) und profilierte sich auch mit einer vorgeblich besseren Sachkunde über die Fahrzeugtechnik.


    Aus Interesse habe ich mir mal diverse seiner Profile in sozialen Medien angesehen und festgestellt dass er dort genauso verfährt.


    Nach etwas Überlegung bin ich zum Schluss gekommen, mit ihm darüber mal zu Sprechen. Keinesfalls möchte ich ihn nur deshalb tadeln, sondern im Grunde in seinem Interesse mit ihm darüber Sprechen und die Folgen des Verhaltens aufzeigen.


    Zu diesem Gespräch wollte ich den Betriebsrat dazu nehmen. Dieser lehnte das jedoch ab und verwieß mich darauf, dass genau das schon mehrere Kollegen versucht hatten und er ein "Hoffnungsloser Fall" währe. Somit scheidet die Unterstützung durch den BR aus.


    Ich bin mir eben nicht sicher, ob es sinnvoll ist, dem Kollegen die Wertigkeit seines Berufes aufzuzeigen. Ich habe selber vor einigen Jahren Eisenbahner im Betriebsdienst gelernt und kann diesem Beruf im Grunde kein gutes Zeugnis ausstellen. Vom Niveau her ist der Beruf z.B. mit dem Elektroniker für Betriebstechnik nicht einmal ANSATZWEISE zu vergleichen! Nur denke ich auch nicht, dass es sinnvoll ist, diesen jungen Kollegen auf seinem hohen Ross zu belassen und ihm seine Illusion zu lassen.


    Hat hier jemand den einen oder anderen Ratschlag was ich mit dem Kollegen machen kann?


    Viele Grüße

    :ada::BQ::HQ:

    Aug. '17 Nov '17 Dez '17

    Autodidaktische Fortbildung von August - November 2017

    :IM:
    Geprüfter Industriemeister Elektrotechnik - Fachrichtung Automatisierungstechnik

  • Hi,


    wenn er wirklich nicht mit sich reden lässt...


    Möglichkeit 1; "Strafarbeiten" - Ihn im Prinzip auf seine "Stellung" als Azubi hinweisen und die letzten Drecksarbeiten machen lassen, bis er es kapiert hat.


    Möglichkeit 2; Ermahnen aufgrund seines Verhaltens, ggf. Abmahnen. Als Grund anführen, dass er sich respektlos gegenüber Arbeitskollegen verhält, Betriebsfrieden stört oder ähnliches.


    Möglichkeit 3; Ihn vor, für ihn, unlösbare Aufgaben stellen. Wenn er, wie er selbst sagt, eine bessere Sachkunde hat sollte das ja kein Problem für ihn werden.

  • Hallo!


    Spannendes Thema, und toll das du darüber nachdenkest ihm eine Chance zu geben und ihn nicht nur abschreibst.


    Ich würde auch Möglichkeit 3 von TooTall vorschlagen: PeterPrinzip anwenden. Lass ihn seine eigene Unfähigkeit spüren, ihn in Fehler laufen. Idealerweise sprichst du vorher mit deinem Leiter, dass es keine wirtschaftlichen Konsequenzen für den Betrieb hat (Auftragsverzug, Mehrkosten usw), sondern als erzieherische Maßnahme für den Azubi dient. Der Aufwand lohnt sich jedoch nur, falls ihr ihn bei euch im Betrieb übernehmen wollt.


    Wichtig dabei ist aber ihn nicht vorzuführen, er sollte auch begreifen das die anderen Abteilungen und Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen auch gute und wichtige Arbeit leisten, und er seinen Teil zum Ergebnis dazu beiträgt.


    Eventuell wäre auch möglich ein vorbereitetes Teil einer anderen Abteilung vom Azubi demolieren zu lassen, sodass er sich dann damit in der jeweiligen Abteilung um Reparatur kümmern muss, persönlich! Das bringt auch Respekt, fördert die Kommunikation, und lehrt Dankbarkeit. Das Ganze muss natürlich ein wenig abgesprochen sein.

    Gruß checksum


    :BQ: (2015):ada::HQ: >>>:IMM: (2017)

  • Moinmoin!

    Also ich habe mal etwas nachgedacht und werden Möglichkeit 3 vorziehen!


    Möglichkeit 1 dürfte mich sehr schnell in Schwierigkeiten bringen und Möglichkeit 2 dürfte ebenfalls problematisch werden. Überheblichkeit ist ja nicht verboten. Er bringt sich selbst nur damit ins Abseits...

    :ada::BQ::HQ:

    Aug. '17 Nov '17 Dez '17

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  • Die Möglichkeit 3 wird es werden!

    Heute Abend starten wir in der Nachtschicht in die neue Woche und er ist auch wieder mit von der Partie.

    Und es passt sogar. Wir haben eine Lok da welche die ganze Woche zur Frist und Radsatztausch da ist. Da ist gut Zeitpuffer drin.
    Die Lok hat allerdings im Traktionsstromrichter II ein Isolationsfehler. Genaue Ursache ist unbekannt.

    Ich lasse ihn jetzt heute und morgen mal eine Störungssuche durchführen und wenn er es gefunden hat, auch eine Störungsbehebung durchführen. Ich schaue nur dass er wirklich konform arbeitet und nicht mehr kaputt macht als es schon ist. Normalerweise ist das eine Arbeit die im Grunde nur unsere erfahrenen Lokelektriker machen, denen gegenüber er sich jedoch auch schon für höher gestellt und besser qualifiziert erklärt hat.


    Ich werde die Lok nur im vorausgang ordnungsgemäß erden und den Erdungsschlüssel bei mir im Meisterbüro einschließen. Dann kann im Grunde nicht mehr viel passieren. Er bekommt nacher von mir einen Werkzeugwagen, Notebook mit dem Diagnoseinterface und 4 Ordner mit Schaltplänen ausgehändigt. Und wenn er es schon mal schafft, den Diagnosespeicher des ZSG/ASG auszulesen und die Daten auszuwerten, hat er schon mal zumindest etwas erreicht. Wenn er wirklich auch den Fehler findet und eine Instandsetzung umsetzen kann, dann, Hut ab...


    Jetzt bin ich erstmal gespannt, wie er sich heute Abend so gibt. Ich werde berichten!

    :ada::BQ::HQ:

    Aug. '17 Nov '17 Dez '17

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  • So liebe Kollegen, es gibt einen Zwischenstand!


    Ich hatte ihn direkt nach der Arbeitsbesprechung mal beiseite genommen und ihm seine spezielle und im Grunde sehr anspruchsvolle Aufgabe zugeteilt. Es kam direkt der Spruch "Ja, das ist doch easy, als Lokführer mache ich was viel Komplexeres!" Ich dachte mir meinen Teil dabei und übergab ihm sein Arbeitsgerät. Nachdem er nun fast 3 Stunden nach der richtigen Schnittstelle für die Verbindung des Interfaces mit der Lok gesucht hat, scheint er jetzt aufgegeben zu haben.150 Seiten Lokführerhandbuch scheinen eben doch nicht so ganz 4500 Seiten IH-Dokumentation gleichwertig zu sein.


    Nunja, mal sehen ob sich überwindet das Handy mal wegzulegen und mal die Ordnern die ich ihm gegeben habe anzusehen. Da ist nämlich eine wunderbare Anweisung drinnen, die genau beschreibt, welche Koaxialleitung aufgetrennt werden muss und welche Arbeiten dann nötig sind, eine LAN-Verbindung herzustellen. Wenn er bis nach der Pause nicht darauf gekommen ist, werde ich ihm mal einen kleinen Wink geben...

    :ada::BQ::HQ:

    Aug. '17 Nov '17 Dez '17

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  • Nur nicht locker lassen. Er sollte im Optimalfall zu dir kommen und von sich selbst sagen, dass er Hilfe braucht.

    Schön wäre, wenn es aus der mechanischen Instandhaltung einen ähnlich schweren Fall geben würde den man ihm aus Auge drücken kann.

  • So, es geht in die nächste Runde!
    Auch nach mehreren Hinweisen meinerseits schaffte er bis heute früh zum Arbeitsende nicht, die Verbindung Lok <-> Notebook herzustellen. Entsprechend fühlte er sich heute früh in seiner Ehre sehr gekränkt!


    Ich hatte ihn dann nochmal kurz beiseite genommen und mit Ihm bei einem Kaffee mal darüber gesprochen. Und wir haben glaube ich auch einen guten Konsens für heute gefunden! Er scheint auch langsam einzusehen, dass er doch etwas übers Ziel hinausgeschossen war. Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass ich ihm heute einen meiner Azubis (EBET, 2. Lj wirklich sehr fit) an die Hand gebe und er sich von ihm ein wenig etwas erklären lässt.


    Da besagter Azubi selber anstrebt die Werksfahrberechtigung zu erhalten, darf der "Problemfall" ihn morgen mal an die Hand nehmen und unter meiner Aufsicht (ich greife nur bei eventueller Gefahr ein) mit Ihm eine Rangierfahrt, bzw sogar mehrere durchführen.


    Wenn ich jetzt gerade mal aus meinem Meisterbüro rüber in den Pausenraum schiele, stelle ich fest, dass mein EBET seit einer guten halben Stunde bei geöffnetem Aktenordner dem "Problemfall" etwas erklärt und dieser sich auffällig zurückhält... Ich lobe den Tag nicht vor dem Abend (besser gesagt morgen), aber wenn es so bleibt wie jetzt, bin ich froh.

    :ada::BQ::HQ:

    Aug. '17 Nov '17 Dez '17

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  • Hehe schön zu lesen. Leider zu spät auf das Thema gekommen und die "Auflösung" gelesen.


    Weil davor hätte ich gesagt, dass das Problem bei solchen Fällen ist, dass sie überheblich sind, und am Ende auch noch sofort auf den Fehler gekommen wären ;-)


    Aber der Plan scheint ja aufgegangen zu sein, und er hat den Fehler nicht gefunden.


    Zum anderen finde ich es schon komisch, wenn sich Lokführer einbilden sich über die Instandhaltung stellen zu können.

    Die haben wohl echt keine Vorstellung was im Bereich Technik los ist.

    Und dabei gibt es ja nicht nur die Technik der Loks, sondern ja auch alles was mit dem Fahrweg zu tun hat. Also Leit und Sicherungstechnik, Oberleitung, Elektrotechnik mit Weichenheizungen, TK-Anlagen usw. usw.


  • Die Überheblichkeit dieses jungen Kollegen ist offenbar kein Einzellfall. Der Eisenbahner im Betriebsdienst lockt leider viele realitätsferne Eisenbahnfreaks an welche sich genau so geben... Ohne den Beruf jetzt schlecht hinzustellen muss ich dennoch sagen dass das Anforderungsniveau sehr niedrig ist. Ich hatte den Beruf ja selber gelernt und das einzig schwierige in der Zeit war mein parallel laufendes Selbststudium der Elektrotechnik. Zu alledem kommt, selbst wenn der Beruf des Lokführer "komplexer" währe, ist er noch keiner. Er ist bisher nur in der Ausbildung...


    Leider muss ich sagen, am Spruch "Täglich grüßt das Murmeltier" was waren dran. Denn genau das ist eingetreten. Bevor er vorher hier her gekommen ist stand er in der Meldebude der Lokführer und regte sich gar fürchterlich darüber auf, dass er hier von den "Lokpfuschern" mit "Drecksarbeit" beauftragt wird und dort ohnehin nur "unqualifizierte Idioten" arbeiten. Angeblich hätte er uns erstmal erklären müssen wie die Lok überhaupt funktioniert. Als er dann bei mir am Meisterbüro vorbei kam grinste er dummdreist durchs Fenster im Glauben ich wüsste es nicht längst schon.


    Nunja, ich habe ihm vorsorglich sein Berichtsheft unterschrieben und ihn gebeten nach Hause zu gehen und morgen früh seine Personalerin anzurufen. Sowas rotzfreches muss ich hier nicht haben...

    :ada::BQ::HQ:

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  • Nunja, in der AEVO Prüfung hätte ich diesen Fall etwas anders versucht zu lösen. Im Grunde habe ich ihn nicht vor der Gruppe, sondern vor sich selbst blosgestellt. Erzieherisch definitiv die bessere Lösung...

    :ada::BQ::HQ:

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  • Zitat

    Nunja, ich habe ihm vorsorglich sein Berichtsheft unterschrieben und ihn gebeten nach Hause zu gehen und morgen früh seine Personalerin anzurufen. Sowas rotzfreches muss ich hier nicht haben...

    Hast Du ihn damit von der Arbeit Freigestellt? Was macht denn die Personalerin mit ihm?

    Die Genies sterben aus...Einstein ist tot...Beethoven war taub.....und ich fühl mich auch nicht so gut :cool2:

    AEVO Juni 2009

    BQ Herbst 2010

    HQ MAi 2012


    :klatsch: Juli 12 :klatsch: :IM:

  • Hallo,

    wenn Du mir bei der AEVO Prüfungsfrage: Wie gehen Sie mit einem arroganten, überheblichen Azubi um, mir diesen Fall so geschildert hättest, wärst Du von mir mit einem dicken Lob ( Endlich einer der einen Arsch in der Hose hat ) mit einer zumindest gute Note nach Hause gegangen.

    Die sozialpädagogische Weichspülerei der voran gegangen Schulbildung ( Ach der / die Arme ) hat doch nur die Anzahl der Abbrüche erhöht.

    Selbst erlebt: Sagte doch der Azubi, ich konnte mich fachlich und persönlich bei meinem Vorgesetzten nicht durchsetzen, deswegen mach ich jetzt zuerst mal ein Jahr Australien. Aber der Bertrieb soll es bezahlen, denn ich bin ja im Bertrieb gescheitert.

    Gruß

  • Also da fehlen einem ja echt die Worte. Wie kann man sich als Auszubildender nur so aufführen?


    Egal welches Wissen vorliegt. Dann halte ich halt den Ball flach.


    Ich glaube, dass ich ihn dann auch mal fragen würde, wieso er sich dann überhaupt im Unternehmen beworben hat,

    bzw. für eine Ausbildung, wenn er doch angeblich so klug ist. Dann müsste doch Abitur und Studium ein Kinderspiel sein ;-)


    Hatte vorher auch die Bezeichnungen vertauscht. Dachte erst, dass es sich um die andere Ausbildung "Elektroniker im Betriebsdienst (EBET)"

    Ausbildung handelt.

  • Also da fehlen einem ja echt die Worte. Wie kann man sich als Auszubildender nur so aufführen?

    Das kommt heutzutage leider recht häufig vor. Und die Unternehmen sind froh wenn sie Azubis haben und diese auch bleiben. Man kann auch ohne Ausbildung über Quereinstieg und guter Anlernphase einen Job ausüben, für das eigene Selbstwertgefühl ist es aber sehr sinnig sich mal auf den Hosenboden zu setzen und einen Abschluss zu haben.

    Gruß checksum


    :BQ: (2015):ada::HQ: >>>:IMM: (2017)

  • Ich finde dieses Jahr ist es besonders schlimm brauchbare Azubis zu finden. Wir haben 450 Bewerbungen für 7 Stellen und suchen immer noch einen Zerspanerazubi.

    Die Genies sterben aus...Einstein ist tot...Beethoven war taub.....und ich fühl mich auch nicht so gut :cool2:

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    :klatsch: Juli 12 :klatsch: :IM:

  • Hast Du ihn damit von der Arbeit Freigestellt? Was macht denn die Personalerin mit ihm?

    Exakt. Was die Personalerin mit ihm macht weis ich nicht. Jedenfalls wurde mit vorher per SMS mitgeteilt, dass der betroffene Azubi nicht mehr bei mir eingesetzt wird.



    Hallo,

    wenn Du mir bei der AEVO Prüfungsfrage: Wie gehen Sie mit einem arroganten, überheblichen Azubi um, mir diesen Fall so geschildert hättest, wärst Du von mir mit einem dicken Lob ( Endlich einer der einen Arsch in der Hose hat ) mit einer zumindest gute Note nach Hause gegangen.

    Die sozialpädagogische Weichspülerei der voran gegangen Schulbildung ( Ach der / die Arme ) hat doch nur die Anzahl der Abbrüche erhöht.

    Selbst erlebt: Sagte doch der Azubi, ich konnte mich fachlich und persönlich bei meinem Vorgesetzten nicht durchsetzen, deswegen mach ich jetzt zuerst mal ein Jahr Australien. Aber der Bertrieb soll es bezahlen, denn ich bin ja im Bertrieb gescheitert.

    Gruß

    Wenigstens einer mal der das so sieht. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass meine Prüfer damals ähnlich gehandelt hätten. Nur bei der Vorbereitung kam mir das alles ein wenig wie "Waldorfschule" vor... (Ohne jetzt die AEVO-Prüfung grundlegend zu kritisieren, ich bin der Überzeugung dass vieles darin Sinn ergibt)


    Ich glaube, dass ich ihn dann auch mal fragen würde, wieso er sich dann überhaupt im Unternehmen beworben hat,

    bzw. für eine Ausbildung, wenn er doch angeblich so klug ist. Dann müsste doch Abitur und Studium ein Kinderspiel sein ;-)

    Zu seinen Noten möchte bzw. darf ich mich an dieser Stelle nicht äußern, seinen Realschulabschluss hat er jedoch nur "Gerade so" geschafft... Und was ich bisher fachlich von ihm gehört habe war im Grunde nicht einmal ansatzweise zufriedenstellend.

    Das kommt heutzutage leider recht häufig vor. Und die Unternehmen sind froh wenn sie Azubis haben und diese auch bleiben. Man kann auch ohne Ausbildung über Quereinstieg und guter Anlernphase einen Job ausüben, für das eigene Selbstwertgefühl ist es aber sehr sinnig sich mal auf den Hosenboden zu setzen und einen Abschluss zu haben.

    Auch hier gibt es in der Tat oft Probleme Azubis zu finden. Außnahme sind tatsächlich die Lokführer. Um diese Ausbildungsplätze rangeln sich dutzende von Eisenbanfreaks. Die Plätze sind spätestens Dez/Januar meist voll. Bei den EBET und METRO ist es leider schon schwerer, aber wir nehmen auch nicht auf teufel komm raus jeden. Optimal sind jene, die vll schon ein Praktikum gemacht haben. Wer dort wirklich sich auch wissbegierig zeigt und am besten mir schon den Schraubenschlüssel aus der Hand nimmt kann sicher sein, dass er hier bei Tauglichkeit genommen wird. Abbrecher sind hier eher selten und die Ergebnisse können sich sehen lassen! Was ich beispielsweise schätze ist, wenn Azubis wirklich schon Wissen mitbringen können. Wenn die Azubis vll. da schon Kenntnisse haben, können hier und da auch die Facharbeiter und Meister etwas dazu lernen! Einer Meiner Azubis hat beispielsweise schon viel mit Arduinos gearbeitet. Das Software-laden auf EEPROMs war für ihn kein Problem, was aber für viele ältere Elektriker hier Neuland war. Er hat mit so etwas aber nie angegeben, wir haben das eher zufällig herausgefunden.



    Nur, was dieser Lokführer hier abgezogen hat war wirklich das allerletzte. Einige der Kollegen möchten jetzt auch nicht mehr mit den EiB's zusammen arbeiten, wenngleich auch dort die meisten in Ordnung sind. Es gilt jetzt erstmal dahingehend die Wogen zu glätten und solche Störfaktoren hier raus zu halten.


    Es ist leider seit Jahren so, dass das Klima zwischen Betriebsdienst und Instandhaltung schlecht ist. Funktional sind wir komplett voneinander getrennt. Selbst die Probefahrten und das Rangieren in der Werkstatt ist mittlerweile bei uns angesiedelt, wozu viele der Instandhalter mit Fahrberechtigung ausgestattet worden sind. Eigentlich schade...

    :ada::BQ::HQ:

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  • Die Frage ist doch aber auch, wie kommt der Azubi auf solche Äußerungen? Ich habe da auch den "Verdacht" das er von den Lokführern dahingehend auch schon "geimpft" wurde. Wenn da noch einer empfänglich für ist..


    Soll natürlich keine Entschuldigung dafür sein, aber eventuell gibt es da mehr als einen schuldigen..


    Ich kenne die Bahn durch meinen Opa ja auch wenig. Das war auch schon zu Bundesbahnzeiten so, vor allem wenn Lokführer in die Werkstätten kamen oder umgekehrt. Ist wohl eine "alte" Rivalität.

    IM Elektrotechnik Teilzeit (Samstag) Start November 2017 "Der Weg ist das Ziel!"


    :ada:03/18

  • Die Frage ist doch aber auch, wie kommt der Azubi auf solche Äußerungen? Ich habe da auch den "Verdacht" das er von den Lokführern dahingehend auch schon "geimpft" wurde. Wenn da noch einer empfänglich für ist..


    Soll natürlich keine Entschuldigung dafür sein, aber eventuell gibt es da mehr als einen schuldigen..


    Ich kenne die Bahn durch meinen Opa ja auch wenig. Das war auch schon zu Bundesbahnzeiten so, vor allem wenn Lokführer in die Werkstätten kamen oder umgekehrt. Ist wohl eine "alte" Rivalität.

    Grundsätzlich muss ich leider zustimmen, dass man schnell von den älteren Kollegen wie du schon sagtest "geimpft" wird. Ich hatte das selbst damals in der Ausbildung gehabt... Auch wenn es bei den Kollegen aus dem Fahrdienst oft sauer aufstößt, viel mehr als ein paar Knöpfchen drücken ist es nicht! Ein bisschen Signalkunde, ein bisschen Betriebsdienst und eine oberflächliche Einweisung in das Triebfahrzeug. Das geht in 6 Monaten inklusive 60 Belehrungsfahrten.


    Nur leider scheint das Vertrauensverhältnis zwischen dem Betriebsdienst und der Instandhaltung dauerhaft derartig gestört zu sein, dass das Misstrauen kaum aus der Welt zu schaffen ist. Eigentlich schade...

    Ich muss zu dieser Sache sagen, er ist leider nicht der einzige Fall dieser Art aus der Sphäre der Triebfahrzeugführer. Wobei ich jetzt nicht alle unter Generalverdacht stellen möchte.

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  • Zitat

    Das geht in 6 Monaten inklusive 60 Belehrungsfahrten

    Oder noch schneller wenn man sich manche Maßnahmen von Bildungsträgern ansieht. Ich kenne privat auch einen Tf der ICE fährt, der sieht sich gerne auf einer Stufe mit den Piloten..

    Klar Verantwortung usw. haben beide aber ein A380 ist schon mal ne andere nUmmer.

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    :ada:03/18

  • Ich kenne privat auch einen Tf der ICE fährt, der sieht sich gerne auf einer Stufe mit den Piloten..

    Nur ist das Problem, dass dieser Vergleich gewaltig hinkt! Wo ich gelernt habe, rannten auch so ein paar Spezialisten herum die sich so gesehen haben...fand das damals schon lächerlich...


    Auf der einen Seite ein auf schick machen, auf der anderen aber wie ein Raabe den Müll im Zug nach Pfandflaschen und Essbarem durchsuchen... Einfach nur lachhaft.

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  • Naja wobei heutige Piloten den Kopf aber auch nicht mehr so hoch tragen sollten.


    Durch PC/Autopilot und Co. ist der Eigenanteil sehr sehr wenig geworden.

    Also 15.000 Euro Gehalt sind meiner Meinung nach völlig überzogen, wenn auf der anderen

    Seite Ärzte, welche operieren und Menschenleben retten meistens nicht einmal die Hälfte davon bekommen.


    Aber gut das nur am Rande ;-)

  • Eine Art „Autopilot light“ gibt es schon seit Jahrzehnten bei der Bahn. Wird ein Zug durch die Linienzugbeeinflussung geführt „Anzeigegeführt“ und ist eine Automatische Fahr- und Bremssteuerung aktiv, so hat der TF nur die Aufgabe die Zugkraft entsprechend zu regeln dass die Fahrzeit passt und die Fahrweise Wirtschaftlich ist. Ansonsten muss er nur dumm in die Landschaft gucken, pardon die „Fahrwegbeobachtung“ durchführen und auf den nächsten halt oder einen LZB-Übertragungsausfall warten. Das wars...

    :ada::BQ::HQ:

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  • Wenn ich das von meinem Opa noch richtig in Erinnerung habe, mußte man zu Bundesbahnzeiten erst eine Ausbildung bei als Schlosser oder Elektriker haben bzw. diese mitbringen als Seiteneinstieg bevor man Lokführer werden konnte.


    Da war da nn das Verständnis vermutlich noch anders und "früher" waren die Loks ja noch anders. Ich denke der Azubi könnte sicher keine Ludmilla oder eine V200 aufrüsten.


    Aber ich habe mal Probearbeiten bei der DB gemacht, einmal 40Hz Bereich und einmal LST bei DB Netz. Und da war auch Unverständniss von FDL und Tf für die Arbeit da. Obwohl der eine ohne den anderen nicht skann..

    IM Elektrotechnik Teilzeit (Samstag) Start November 2017 "Der Weg ist das Ziel!"


    :ada:03/18

  • Hallo,

    eine Ludmilla ohne Gehörschutz fahren ist schon eine gewaltige Herausforderung.

    Gruß

    Ludmilla ist eigentlich gar nicht so schlimm... einige der Cargo Azubis machen die glaube ich sogar. Da war die Baureihe 119 weitaus schlimmer.. (Auch bekannt als "U-Boot" oder "Ceausescu lezte Rache") Die Lok war so laut wie sie Störanfällig war. Selbst auf ihrem letzten Einsatz im Personenverkehr erreichte sie nie ihr Ziel.


    Mein Fazit den ich jetzt aus dem Geschilderten Fall ziehe: Dieser Junge Kollege ist unbelehrbar. Mit diesem Geprahle hat er aber offenbar eine Anerkennung bei den Lokführern gefunden die seines gleichen sucht. Das schlimme ist nur, dass die Instandhalter kaum mehr ein Interesse haben, angehende Lokführer hier zu betreuen. Mit dem Ausbildungsbeauftragten hier in der Werkstatt und dem der Lokis werde ich mich in den nächsten Tagen nochmal zusammen setzen und eine Lösung suchen wie der Einsatz weiterhin gestaltet werden kann.


    Ein anderes Beispiel von letzter Woche hat mir in dieser Sache dennoch Hoffnung gegeben. Ein anderer Azubi aus dem Lokdienst war bei einer großen Frist mit dran. Ich hatte nur mal "Nebenbei erwähnt" dass auch die Bremswiderstände ausgebaut und gereinigt werden müssen. Er hatte sich dann fix das Werkstatthandbuch geholt, sich kurz eingelesen und als ich kam um das nochmal genauer zu erläuern standen bereits alle Segmente ausgebaut vor der Lok, die Schrauben/Muttern waren alle schön in einer Box ein sortiert und er polierte bereits. Als er alles eingebaut hatte, habe ich nochmal schnell drüber geschaut, war aber alles in bester Ordnung. Er betonte mehrfach, dass er sich freut hier die Einblicke in der Instandhaltung zu bekommen. Und ich freue mich mit, solch einen ambitionierten und fleißigen Kollegen zu haben!


    Fazit, so verrückt die Bahn manchmal ist, so gibt es auch stets ein ende des Tunnels..

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    Aug. '17 Nov '17 Dez '17

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  • Ein anderes Beispiel von letzter Woche hat mir in dieser Sache dennoch Hoffnung gegeben.

    Unbedingt vormerken, sofort nach der Lehre weiterbilden, gut bezahlen und anerkennen. Solche Typen sind selten, wenn ihr es mit so einem verscherzt, ist der schneller weg als Ihr gucken könnt.

    Gruß checksum


    :BQ: (2015):ada::HQ: >>>:IMM: (2017)